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3 Einflusskriterien auf die Möglichkeiten der Distributionsprozesse

Viele Einflusskriterien bestimmen den Distributionsprozess. So wird vor allem auch auf der Seite der Anbieter überlegt, welche Distributionsmöglichkeiten angeboten werden. In diesem Kapitel werden Kriterien aufgezeigt, die diese Überlegungen beeinflussen.

3.1 Anbieterorientierte Kriterien

Ein Unternehmen kann durch die Distributionslogisitik einerseits den Kunden von einem hohen Niveau der Logistik überzeugen, aber andererseits ist es gefährlich durch eine mangelhafte Logistikleistung die Erwartungen von Kunden zu enttäuschen, was zum unmittelbaren Kundenverlust führen kann. Die Logistikleistung kann die Kundenzufriedenheit erhöhen und damit zur Kundenbindung beitragen.44
Zu den Kriterien die hinterfragt werden müssen zählen unter anderem, welcher Preis bei den einzelnen Distributionsmöglichkeiten wie zB Hauszustellung verlangt wird und herauszufinden, welche Preisbereitschaft die Kunden dafür aufweisen. Ein Weiterer Punkt ist die Informationsfähigkeit. Hierbei handelt es sich um die Fähigkeit des Lieferanten, Kundenanfragen vor und während der Lieferung zu beantworten. 45

Ein wichtiger Kriterienpunkt auf Anbieterseite ist die Wahl des Auslieferungslagers. Diese haben die Aufgabe, Produkte in großen Mengeneinheiten nahe der Produktion bzw. nach dem Einkauf aufzunehmen und sie dann wieder in kleineren Mengeneinheiten weiter zu verteilen. Faktoren die berücksichtigt werden, sind die Art der Produkte und der Standort des Auslieferungslagers. Bei der Wahl des Standortes sind folgende Standortfaktoren zu bedenken:46
  • Größe des angestrebten Lieferservice.
  • Infrastruktur und Bevölkerungsstruktur des Absatzgebietes.
  • Entwicklung der Nachfrage.
  • Höhe der Transport- und Lagerkosten inkl. Nebenkosten.
  • Einsatz eines Eigenlagers.
  • Stabile Nachfrage.


Das Ziel des Distributionsprozesses ist es laut Bertazzi und Speranza, optimale Strategiekonzepte für die häufige Lieferung zu entwickeln. Durch eine gewisse Lieferdichte sollen zum einen die Lagerbestände und zum anderen die Transportkosten minimiert werden.

Anbieterorientierte Kriterien sind demnach: 47

  • Häufigkeit der Transporte
  • Länge der Transportwege
  • Lagerkosten
  • Nachfrage der Kunden
  • Aufnahmefähigkeit der Ware
  • Vorratspeicher der Ware

Es muss überlegt werden, wie viel Menge von jedem Produkt innerhalb welcher Zeit geliefert werden kann. Wie viele und welche Transportmittel dafür innerhalb welchen Zeitraums gewählt werden und in welcher Höhe die Ware vorrätig sein sollte.48

Die Ziele der Unternehmenslogistik umfassen messbare Kosten- und Wirtschaftlichkeitsaspekte, Service- und Zeitaspekte sowie Qualitäts- und Flexibilitätsaspekte der von ihr gestalteten Prozesse und Netzwerke.49

Vor allem wird die logistische Leistung und der damit einhergehende Distributionsprozess durch die Komponenten Lieferfähigkeit, Lieferqualität, Lieferflexibilität, Termintreue und der Informationsbereitschaft bestimmt.50

Es können nun die Kriterien auf Anbieterseite folgend zusammengefasst werden:
  • Lieferfähigkeit
  • Lieferqualität
  • Lieferflexibilität
  • Termintreue
  • Informationsbereitschaft
  • Transportkosten
  • Lagerkosten
  • Lieferzeit
  • Liefermenge
  • Warenverfügbarkeit

3.2 Kundenorientierte Kriterien

Unter Kundenorientierte Kriterien fällt vor allem der Punkt Kundenservice. Für Kundenservice gibt es viele Definitionen. Im Sinne der Logistik versteht man unter diesem Service, jene Zeit, die zwischen der Bestellanfrage und dem Zeitpunkt des Erhalts der Ware liegt. Ziel hierbei ist, dass das Kundenbedürfnis und die Erwartung zufrieden gestellt werden. Kernfrage ist also, wer die Kunden des Distributionszentrums sind, wo deren Bedürfnisse liegen und welcher Service ihnen geboten werden kann. 51

Zum Kundenservice zählt die Zustellung, die Zuverlässigkeit der Lieferung, eine kostengünstige Lieferung, die Haftung für verlorene bzw. beschädigte Sendungen und die Auswahl verschiedener Zahlungsmöglichkeiten.52
Unter Lieferzuverlässigkeit wird die Liefer- und Termintreue verstanden, die mit dem Lieferanten vereinbart wird, und mit welcher Wahrscheinlichkeit diese vom Lieferanten auch tatsächlich eingehalten wird. Die Lieferzuverlässigkeit setzt sich zusammen aus der gesamten Auftragsbearbeitungszeit und der Verfügbarkeit der Ware beim Lieferanten.53
Die Lieferzuverlässigkeit beschreibt somit auch die Lieferzeit, welche die Zeitdauer von der Bestellung eines Produktes bis zur Übergabe an den Kunden beschreibt. 54
Ein weiterer wichtiger Punkt ist auch die Lieferflexibilität. Diese ist die Fähigkeit des Lieferanten auf spezielle Kundenwünsche, wie gewählte Transportvariante, in Kapitel 2 vorgestellt, oder bestimmte Auftragserteilung einzugehen. Die Auftragserteilung beschreibt die Vereinbarungen über die Auftragsmenge, wie vereinbarte Mindestbestellmengen oder Mindestbestellwerte. 55
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Qualität der Lieferung. Die Qualität zeichnet sich durch Übereinstimmung der gelieferten Menge mit der bestellten Menge, und dem Zustand der Lieferung aus.56

Der Lieferauftrag kann in drei Kategorien unterteilt werden, was aus der folgenden Abbildung, welche den generellen Service Mix der verschiedenen Kundenbedürfnisse darstellt, ersichtlich wird:
Abbildung3

Abbildung 3: Genereller Service Mix 57

In dieser Abbildung werden die Auftragsarten: Lagerauftrag, Planauftrag und Eilauftrag, aufgezeigt. Diese Aufträge unterscheiden sich im Wesentlichen in der Häufigkeit der Lieferung. Es wird festgelegt, wie oft eine Lieferung stattfindet. Eine hohe Verfügbarkeit der Ware ist dem Kunden mit 98% und mehr, ein sehr wichtiges Kriterium. Am wichtigsten ist für Kunden laut dieser Abbildung die Qualität! Es muss definiert sein, wie viel Produkte von beispielsweise 1000 Stück falsch oder beschädigt sein dürfen, ohne dass es zur Beanstandung oder zu rechtlichen Problemen kommen kann. Da die Kosten individuell auf die Lieferung und den Kunden ankommen, werden dieser in der Tabelle nicht ausgeführt. Hierbei ist es wichtig, dass das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. 58
Ein weiterer Einflussfaktor ist auch die Bezahlung, wer diese wo und wann übernimmt. Dieser Punkt ist aber nicht Teil dieser Arbeit und wird hierbei auch nicht näher erläutert.

Wie bereits bei den Anbieterorientierten aufgezeigten Kriterien, treffen die Eigenschaften Lieferfähigkeit, Lieferqualität, Lieferflexibilität, Termintreue und Informationsbereitschaft auch auf die Kundenorientierten Kriterien zu. 59

Für Kunden ist also ein zufrieden stellender Lieferservicegrad, welcher sich aus Lieferzeit, Lieferzuverlässigkeit bzw. Termintreue und Lieferbereitschaft zusammensetzt, sehr wichtig.
Unter der Lieferbereitschaft wird der der Zeitraum verstanden, innerhalb der Kundenwunsch bedient werden kann.
Bei der geforderten Lieferqualität handelt es sich um die Übereinstimmung der Lieferung mit dem Kundenauftrag in punkto Art, Menge, Anzahl akzeptierter Einzellieferungen und den Zustand der Produkte bei der Übergabe an den Kunden.
Unter der Lieferflexibilität wird einerseits die Fähigkeit des logistischen Systems, auf spezifische Kundenwünsche einzugehen, wie beispielsweise Anlieferungszeit oder Verpackung, verstanden. Andererseits soll durch eine gute Lieferflexibilität der Kundenauftrag jederzeit transparent gemacht werden können. Es sollen nachträgliche Änderungen von Kundenwünschen im laufenden Auftragsabwicklungsprozess termintreu berücksichtig werden. 60

Die Kundenorientierten Kriterien können schließlich im Überblick zusammengefasst werden:

  • Lieferfähigkeit
  • Lieferqualität
  • Lieferflexibilität
  • Termintreue
  • Informationsbereitschaft
  • Lieferzeit
  • Termintreue

 

3.3 Vergleich der Möglichkeiten

Die folgende Abbildung 4 stellt die verschiedenen Zustellungskonzepte ihren relevanten Beurteilungskriterien gegenüber:

 

Abbildung4
Abbildung 4: Zustellungskonzepte mit Beurteilungskriterien 61

In dieser Abbildung wird auf die geläufigsten Zustellungskonzepte eingegangen. Es ist zu erkennen, dass bei der Hauszustellung drei von den fünf angegebenen Kriterien erfüllt werden. Somit stellt sich diese Form als vorteilhaft heraus. Zum einen braucht der Empfänger keine zusätzlichen Wege tätigen, um sein Paket zu bekommen, weiters ist die Retourfähigkeit gegeben und ein erheblicher Vorteil ist auch, dass jedes Paket in jeder Größe geliefert werden kann. Ein wesentliches Kriterium, welches für die gewöhnliche Hauszustellung spricht ist, dass diese nach wie vor von den Nachfragern bevorzugt wird.62 Der Nachteil, dass der Kunde das Paket persönlich in Empfang nehmen muss, stellt sich als gering heraus, da ja die Möglichkeit besteht, das Paket an eine andere Lieferadresse senden zu lassen, eine andere Person zu bevollmächtigen das Paket entgegenzunehmen, oder das Paket selbst bei beispielsweise der Post abzuholen. Ein Nachteil für den Anbieter hierbei ist aber, dass dieser durch die Hauszustellung keine Einsparungsmöglichkeiten hat. Für den Anbieter stellen sich daher Paketstationen oder Pickpoints als vorteilhafter dar, da sie hier Einsparungen aufgrund von wegfallenden Mehrlieferungen, verzeichnen können. Dafür hat hier der Kunde den Mehraufwand, indem er sich das Paket von wo anders holen muss. Wobei er bei den Pickpoints aufgrund der leichtzugänglichen Platzierung keine tatsächlichen Mehrwege hat. Auch die Retourenfähigkeit ist bei diesen Formen gegeben. Ein möglicher Nachteil dieser beider Formen liegt letztendlich darin, dass die Pakete nicht schwerer als 25 Kilogramm sein dürfen.
Kritisch zu betrachten ist die Selbstabholung der Kunden beim Händler, da der Konsument den zusätzlichen Weg der Abholung in Kauf nehmen muss und dabei auch an einen gewissen, aber anpassbaren Zeitrahmen gebunden ist. Die Vorteile hierbei sind dafür, dass der Händler die Ware bereits fertig gepackt bereitstellt und somit für den Kunden die eventuell zeitaufwändige Produktzusammensuche entfällt. Weiters kann sich der Anbieter die Zustellgebühren sparen und kann diese Einsparungen wiederum seinen Kunden, durch beispielsweise niedrigere Preise zugute kommen lassen.
Da die hauseigenen Empfangsboxen in der Praxis keine Anwendung finden, wird auf diese nicht mehr näher eingegangen.

 


 

44 Vgl. Madlberger, 2004, S.141.
45 Vgl. Madlberger, 2004, S.141.
46 Vgl. Balster, 2002, S. 75.
47 Vgl Bertazzi / Speranza., 1998, S. 289.
48 Vgl. Bertazzi / Speranza, 1998, S. 291.
49 Vgl. Straube, 2004, S. 31.
50 Vgl. Baumgarten / Walter, 2001, S. 14.
51 Vgl. Heanaux / Semal, 1998, S. 112.
52 Vgl. Köcher, 2006, S.57.
53 Vgl. Madlberger, 2004, S.140.
54 Vgl. Straube, 2004, S. 56.
55 Vgl. Madlberger, 2004, S.141.
56 Vgl. Madlberger, ebenda.
57 Modifiziert übernommen aus: Heanaux / Semal, 1998; S. 113.
58 Vgl. Heanaux / Semal, 1998, S.113– 114.
59 Vgl. Baumgarten / Walter, 2001, S.14.
60 Vgl. Straube, 2004, S. 56.
61 Modifiziert übernommen aus: Köcher, 2006, S. 28.
62 Vgl. Köcher, 2006, S. 27.

 

 

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